Meinhard Wilhelm Schulz: Caesar

Rezension von Helmut Schareika

Erschienen in: Forum Classicum 4/2011
(dort mit Anmerkungen)

 

1) Meinhard-Wilhelm Schulz: Caesar zu Pferde. Ross und Reiter in Caesars Kommentarien und der Germania des Tacitus. Reihe Spudasmata, Nr. 123, Olms-Verlag, Hildesheim-Zürich-New York, 2009; x, 323 S.; kartoniert; € 49,80; ISBN 978-3-437-13929-6.

2) Ders.: Caesar und Labienus. Geschichte einer tödlichen Kameradschaft. Caesars Karriere als Feldherr im Spiegel der Kommentarien sowie bei Cassius Dio, Appianos und Lucanus. Reihe Spudasmata, Nr. 132; Olms-Verlag, Hildesheim-Zürich-New York, 2010; x, 476 S., € 68,– ISBN 978-3-487-14395-8.

 

»Kurz und knackig«, lautet ein höchst zufriedenes Leserurteil in einem dieser Tage üblichen Medium zu Michael Grants Caesar-Buch (erstmals 1969, zuletzt dt. wiederaufgelegt 2006); die letzte dem Rez. bekannte neuere Biografie von Wolfgang Will erschien 2009 (schlicht »Caesar«; verfaßt für Bedürfnisse geradliniger, einfacher Information, ohne die ›Panegyrik‹ früherer Zeiten), nach Luciano Canforas »Caesar. Der demokratische Diktator. Eine Biographie« 2004 (»Sonderausgabe«, dt. zuerst 2001), der sich u. a. auch das Ziel einer politischen Bewertung setzte.

»Auch Klio dichtet« – auf diese kurze Wendung brachte vor einigen Jahren Hayden White das allgemeine Problem der Geschichtsschreibung und damit auch der Geschichtswissenschaft überhaupt: Danach schafft der Historiker zwangsläufig ein je eigenes Narrativ, allein durch Auswahl, Schwerpunktsetzung und Anordnung krëiert er über historia hinaus stets auch eine narratio.

Dieses Narrativ verdoppelt (oder multipliziert) sich dann gewissermaßen leicht, wenn sich der Historiker mit Quellen befaßt, die ihrerseits wieder eine narratio darstellen – wie Caesars Commentarii. Kann man diesem Problem entgehen und: läßt sich aus Caesar überhaupt noch etwas Neues ›herauslesen‹, über den wir doch wirklich schon alles wissen?

Tatsächlich? Indem Meinhard-Wilhelm Schulz in seinen beiden neuen Caesar-Studien diesen Autor neu liest und die gezielte, intentionale Partnertaktik des Autors gewissenhaft als historisch bewußter Philologe und philologisch bewußter Historiker analysiert, belehrt er uns eines besseren: dadurch daß er historisches Wissen – soweit angesichts des insgesamt kargen Befundes durch Quellen überhaupt zugänglich – mit Caesars eigenem Text verbindet und diesen dabei konsequent als Narrativ begreift, dem auch konsequent ›entgegenzulesen‹ ist. Das bedeutet, er geht methodisch noch bedeutend weiter, als sich etwa (wie andere) auf den Aspekt der Leserlenkung zu beschränken, beispielsweise indem er konsequent auf erzählerische Leerstellen als Mittel des Narrativs achtet. Dabei ergibt sich mit dem Thema »Caesar zu Pferde« sogar ein bisher kaum beachteter, für ein Bild Caesars ungemein aufschlußreicher Aspekt, und so erfährt man eben ganz neue Seiten an dieser Gestalt einer umwälzenden Zeitenwende – und das nach vielen Jahrzehnten Caesarphilologie: Doch in aller Bescheidenheit sieht Schulz sich in der Argumentationstradition eines Hermann Strasburger, dem er den zweiten der hier angezeigten Bände gewidmet hat. Die Bände sind nicht ›kurz‹ gehalten, bilden dafür in ihrer besonderen Weise eine ›knackige‹ Lektüre.

Der Autor (im folgenden Vf.) ist schon bisher mit verschiedenen lateinischen Lektüren für den Schulunterricht sowie etlichen fachdidaktischen und fachpädagogischen Aufsätzen und Rezensionen hervorgetreten; Kennern des entsprechenden Genres ist Vf., leidenschaftlicher Erzähler von Geschichten (seine Schüler sollen ihm stets etwa beim Apuleius gebannt gelauscht haben), auch als Gruselschulz bekannt. Seine Studien u. a. zu den genannten Autoren (s. Anm. 2 und 3) krönte Vf. nunmehr mit zwei äußerst erhellenden Arbeiten.

1) »Caesar zu Pferde«

In dieser Arbeit, so muß man sagen, ging Vf. beim – jetzt nicht auf das Ziel »Schullektüre« gerichteten – Studium der Kommentarien Caesars sowie der Germania des Tacitus radikal neue Wege: Im Teil »Einleitung« (1–13) legt er die Grundlagen; darunter ragen zwei Dinge heraus: Seine begründete Vermutung, daß die Germanen eine Erfindung Caesars sind (s. a. Anm. 3); zweitens eine psychologische Weise der Deutung der Kommentarien: »Erinnern beginnt mit der Wahrnehmung« (S. 2 f.). Insonderheit damit geht Vf. über die bisherige Caesar-Kritik hinaus: Caesar, der die Geschichte gewiß zu seinen Gunsten umgedeutet hat, war selbst besten Willen vorausgesetzt nicht dazu in der Lage, ›objektiv‹ zu schreiben.

Der zweite bisher in der Forschung nicht erfaßte Aspekt der Studie ist der reiterliche; Vf. hat zunächst eine »Kleine Reitkunde« geschrieben, die hier (S. 262–298) zwar im Anhang untergebracht ist, die Vf. aber als erste Lektüre empfiehlt: Hier wird all das erläutert, was man wissen muß (sollte), um Reiterei überhaupt zu verstehen (Vf. ist selbst erfahrener Reiter); das Buch schließt damit überall auch den biologischen Aspekt mit ein.

Den Hauptteil bilden dann Buch für Buch die Schilderungen von Caesars Krieg mit Blick auf die Aktionen der Reiterei: Überall hört und liest man nämlich, daß Caesar Herr über die beste Fußtruppe war und man seine Reiterei vernachlässigen könne; seine gallischen Reiter werden traditionell belächelt: Vf. weist aber nach, daß Caesar die eminente Bedeutung der Kavallerie zunehmend klar wurde und er ohne diese bereits den Sueben unterlegen gewesen wäre. Als er aber im siebten gallischen Kriegsjahr vor dem Untergang stand, gruppierte er seine Armee um und gewann die entscheidenden Schlachten mit seiner neu formierten, teilweise germanischen Reiterei; Vf. nennt dies Caesars »reiterliche Revolution«, ausgehend aber von Labienus (!): Man nutze die Schnelligkeit der wenig stehfesten Reiter aus und gebe ihnen an die Mähne geklammerte Infanteristen (›Elitesoldaten‹) mit; Vf., eben selbst Reiter, hat diese Taktik durch einen Selbstversuch unter Beweis gestellt und ist mit einem galoppierenden Pferd in Riesensätzen mit gesprungen (Fotos im Buch).

Im Bürgerkrieg siegte Caesar, so die Darlegung, nämlich in Spanien (1. Span. Krieg) nur aufgrund seiner meisterhaft taktierenden Kavallerie, während sein Curio auf eben diesem Gebiet versagte und im 1. Afrikanischen Krieg unterging; bei Pharsalos war Pompeius reiterlich überlegen, weil Caesar seine Kavallerie nicht übersetzen zu lassen imstande war (schwerer Fehler): Er formierte daher eine spezielle Truppe der Infanterie und siegte, weil er wußte, wie man Reiter bekämpft, indem man auf den Flucht-Trieb des Pferdes setzt, während Pompeius die Chance ausließ, Caesar weiträumig reiterlich einzukesseln und auszuhungern, so wie dies Caesar gerade in Spanien demonstriert hatte …

Mit der Schilderung der Schlacht von Pharsalos (aufschlußreiche Skizzen sind beigefügt) endet der Bericht über Caesars Kriege, und es folgt eine ganz neue, reiterliche Interpretation der taciteischen Germania; insbesondere die rätselhafte Taktik der Germanen in Kapitel 6 wird erstmals plausibel erklärt: Vf. weist nach, daß die Germanen den Speer nicht schleuderten, sondern ihn als lange Lanze nutzten, um lateral zuzustoßen.

Das Buch ist in einem glatten, modernen, hervorragend lesbaren Deutsch geschrieben, frei von Fachchinesisch (fast könnte man vermuten, mancher werde es lieber in die Hand nehmen als Caesar selbst); nicht immer ohne Humor und Spannung; kurz: eine Demonstration vorbildlicher Quellenarbeit: Zuerst erfolgt das Zitat nebst Übersetzung; dann die Auswertung: Es wäre auch für Schüler der Sek. II. lehrreich und damit für Referate geeignet; überdies ist es mit einigen Fotos illustriert sowie mit einer eingehenden Bibliografie (303–320) und einem ausführlichen Namenregister versehen.

2) »Caesar und Labienus«

Nach eigener Auskunft ist Vf. beim Studium der Caesar-Rezeption zunehmend erstaunt über dessen »gute Presse« bei Mommsen, Kornemann & Co(llegen) gewesen: Daher habe er alle Kommentarien (auch die »unechten«) noch einmal wiederholt im Original gelesen, stets mit Bleistift und Notizblock bewaffnet; das Ergebnis sei dann auch für ihn überraschend gewesen.

Vf. nimmt Caesar (samt dessen Ghostwritern) nämlich beim Wort und arbeitet akribisch alle Kommentarien in chronologischer Folge durch (Quellenarbeit wie oben); so kommt er zu folgendem Ergebnis:

Caesar ernennt Labienus schon zu Beginn des Helvetier-Krieges zu seinem Stellvertreter; er bleibt es sieben Jahre lang: Im Helvetierkrieg, den Caesar ohne jeden Grund provoziert und in dessen Ursachen er den Leser (der sich, so lese sich Caesars Darstellung, hoffentlich nicht am Genfer See auskennt) wissentlich belügt, verschätzt sich Caesar logistisch und steht vor der Blamage; »unnötigerweise« drehen die Helvetier um und gewähren ihm die Schlacht; diese ist ein Gemetzel; ein Blutbad; ohne jede Taktik; nach dem Sieg begehen die Legionäre einen Völkermord scheußlichster Art. Im anschließenden Sueben-Krieg steht Caesar vor der Niederlage; doch Reitergeneral Crassus behält die Nerven und rettet ihm Schlacht und Leben.

In der Nervierschlacht (Buch II) ist Caesar schon auf verlorenem Posten; Labienus, der durchgebrochen ist, sieht das, macht kehrt und rettet seinem Caesar Schlacht und Leben.

In den Büchern 3–6 kämpft Caesar in keiner einzigen Feldschlacht mehr (!); dafür löscht er z. B. ein ganzes Volk aus (die Veneter), obwohl es sich ergeben hat; alle Gefechte werden nur von seinen Generälen, darunter Labienus, geführt: Caesars Bilanz als Feldherr ist dürftig; außerdem hat er die pan-gallische Erhebung nicht vorhergesehen. Das Ergebnis der Bücher 1–6 zeigt nach Vf. auf, daß Labienus der bessere Feldherr war und Caesar allen Grund zur Eifersucht (sprich: zu ›Textkürzungen‹) hatte.

Im siebten Buch lesen wir von Caesars verheerender Niederlage bei Gergovia, während Labienus gleichzeitig bei Paris triumphiert: Ohne diesen Sieg war Caesar am Ende; so gelingt es ihm, sich zu Labienus durchzuschlagen; Vercingetorix kesselt die Römer nun weiträumig mit der Kavallerie ein und hätte alle Zeit der Welt, bis diese sich ausgehungert ergeben müßten, aber er wagt die Schlacht: Labienus schafft mit Reitern und Elitesoldaten den Ausbruch aus dem Kessel und fällt den Galliern in den Rücken; diese flüchten und verschanzen sich in Alesia, statt das Weite zu suchen (erneutes Versagen des Vercingetorix): Die Römer werden zum belagerten Belagerer; bald gehen ihnen Waffen und Vorräte aus; Labienus gelingt es wieder, mit Reitern und begleitenden Elitesoldaten, den Belagerungsring zu sprengen; von innen her greift Caesar mit ähnlich gemischter Truppe an: Gemeinsam also siegen Labienus und Caesar; den kühneren Teil des Endkampfes hat wieder Labienus übernommen.

Im mit Grausamkeiten Caesars erfüllten 8. Buch (Hirtius) erfährt man, daß Caesar seinen besten Offizier, den Hirtius zuvor auf infame Weise charakterlich demontiert, jeden militärischen Kommandos enthoben hat: Der sucht sich einen neuen ›Arbeitgeber‹ und wird von Pompeius als Reitergeneral übernommen. Nach seinem spektakulären Rausschmiß immer noch von Verräter und Überläufer zu sprechen, erübrige sich, so Vf., einmal abgesehen davon, daß Caesar als Putschist im Unrecht war und ein in der Republik groß gewordener Labienus das Recht und die Pflicht hatte, ihm den Dienst aufzukündigen. Auch andere Offiziere, wie der jüngere Cicero und D. Brutus, verließen ihn, ohne derselben Verdammung der modernen Historiker anheimzufallen: Im B. C. arbeitet Caesar voller Haß persönlich an Labienus‘ weiterer charakterlicher Demontage.

Im folgenden zeigt Vf. auf, daß die beiden »Haßkameraden« einander von nun an in jeder Schlacht gegenüberstanden, die Caesar noch ausfocht und in denen er nur mit Glück überlebte: Sehr zum eigenen Schaden, legt Vf. dar, läßt Caesar von nun an nur noch »Würstchen« und »Kriminelle« in seinem Generalstab zu; diese verheizen ihm jedesmal, wenn sie auf sich selbst gestellt sind, ganze Legionen, insbesondere der Bruder des Marcus Antonius; dessen spektakulären Aufstieg und bodenlosen Fall in Caesars Generalstab weiß Vf. detailgenau zu schildern: Seine Zeit kam erst nach Caesars Tod.

Den Alexandrinischen Krieg deutet Vf. als eine Tollheit Caesars; sein anschließendes »veni, vidi, vici« angesichts des lange unentschiedenen Gemetzels als eine Frechheit; seine Saumseligkeit in der Verfolgung der Verlierer von Pharsalos als Dummheit; seinen verspäteten Übergang nach Afrika gegen die wiedererstarkten Republikaner als hoch riskant; aber zum Glück übertrugen diese die Kriegsführung Metellus Scipio, einem mäßigen Strategen, der Labienus nicht hochkommen ließ: Vf. schildert, wieviel Glück Caesar benötigte und wie groß das unverständliche Zögern des anfangs drückend überlegenen Scipio war, um schließlich das scheußliche Gemetzel von Thapsus zu gewinnen; Vf. räumt mit der Auffassung (›Legende‹) auf, Caesar habe dieses Blutbad in letzter Minute verhindern wollen: Er wollte es so, nicht anders.

Wieder ruht sich Caesar solange auf seinen Lorbeeren (jetzt in Kleopatras Armen) aus, bis der Gegner in Spanien, wo Caesars Stellvertreter versagen, eine große Armee zusammengeführt hat; aber wieder macht man den Fehler, die Heeresleitung nicht in Labienus‘ Hände zu legen; vielmehr führt jetzt der unerfahrene Pompeius jr. die Republikaner; Labienus ist wieder nur Reitergeneral: Im Gegensatz zu allen historischen Darstellungen weist Vf. anhand Caesars ›gegengelesener‹ Darstellung nach, daß Labienus keine Schuld an der Niederlage bei Munda trifft; er hat alles richtig gemacht; allein Pompeius jr. ist der Versager: Labienus fällt und wird von Caesar ehrenvoll beigesetzt.

Mit dieser großen Geste schließt das Buch der Geschichte über den einst besten Kameraden, die zu haßerfüllten Feinden wurden: Caesar blieben nur noch 364 ruhmlose Tage bis zu seiner Ermordung; Vf. meint modo philosophi, sie seien beide als einfache Rekruten zur größten Armee gegangen.

Im Anschluß an diese Analysen befaßt sich Vf. mit der Rezeption bei den Autoren Cassius Dio, Appianos und Lucanus, die alle der Republik mit Wohlwollen gegenüberstehen und Labienus daher als Märtyrer der Freiheit feiern müßten, doch die Überraschung ist groß: Dio und Appianos sind auf Caesars Darstellung ›hereingefallen‹ und brechen den Stab über ihn; am entschiedensten ist das Verdammungsurteil bei Lucanus: Er, der Caesar verabscheut, meint Vf., müßte Labienus doch neben sein Idol Cato stellen, müßte ihn lieben; aber bei Lukan findet sich ein besonders verheerendes Urteil; des weiteren sieht Vf. bei ihm gröbste Geschichtsklitterung und empfiehlt, man solle ihn nur als das lesen, was er sei: als einen Dichter.

Vf. ist es mit seinem zweiten Caesar-Band, wenn man ihm folgt (und er zieht den Leser mit) noch viel packender als mit dem ersten gelungen, das gesamte konventionell-konformistische Bild des Diktators zu erschüttern; was bleibt, ist Ernüchterung: Caesar besaß, so scheint es hiernach jedenfalls, weder als General noch gar als Mensch die ihm üblicherweise zugewiesene Größe: nach der Lesart des Vf.s wäre er ein mittelmäßiger Stratege gewesen; ein Verbrecher sogar, egoistisch, mörderisch und blutgierig bis zum Exzeß; seine clementia wäre frei erfunden; er wäre eitel, selbstgefällig und eifersüchtig auf noch so kleine Erfolge der Offiziere: Warum nur, so stellt sich zwangsläufig die Frage, haben Interpreten Caesar all das für ihn so Ungünstige nicht geglaubt oder nicht glauben wollen, wo er es doch selbst so schreibt?

Vf. hat zahlreiche Querverweise eingeblendet, um zu zeigen, wie dicht das literarische Meisterwerk – und das bleibt es auch lt. Vf. – der Kommentarien gestaltet ist, und zollt Caesar als Autor uneingeschränkten Respekt.

Dieser zweite Band zu Caesars Werk – und damit seinen Taten – von M.-W. Schulz weist durchaus gewisse ›epische Längen‹ auf, die freilich vielleicht erst nachher auffallen; wie den ersten runden ihn Bibliografie und Index ab. Die Geschichte der beiden »Haßkameraden« Caesar und Labienus liest sich dabei – Vf.s ›Narrativ‹ – wie ein Drama, fast wie eine Tragödie, an deren Ende alle Akteure tot sind, nur weil ein Caesar seine dignitas verteidigen zu müssen glaubt: Vf. schließt in diesem Sinne mit einem Zitat aus Shakespeares Hamlet, in dem Alexander d. Gr. und sein Epigone Caesar bitter verhöhnt werden. Und: Mit gutem Grund hat Vf. sein Buch, wie oben schon erwähnt, den dis manibus des Althistorikers H. Strasburger gewidmet, der seinerzeit schon (ungehört) den Caesar-Panegyrikern widersprochen hat.

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Die gewinnreiche Lektüre der hier besprochenen Caesar-Bände – tolle, lege ! – zeigt zweierlei auf: Es lohnt sich mehr denn je, diesen Meister der Sprache im Lateinunterricht zu lesen; aber (zweitens) man muß ihn unter neuen Aspekten beurteilen und interpretieren; dann wird die Lektüre ertragreich sein, ertragreicher denn je.

Auf Nachfrage nach der ›Zielgruppe‹ – elementarer Aspekt jedes Schreibens – teilte Vf. dem Rezensenten mit, er habe sein Werk als Lateinlehrer für Lateinlehrer verfaßt; um so besser, doch könnten die Bände infolge ihrer sauberen Methodik nicht zuletzt auch der Forschung neue Einsichten oder wenigstens Frage-Anregungen vermitteln. Unabhängig davon verdienen es die neuen Caesar-Analysen, Bestandteil der Lehrerbibliothek zu werden und in den Studienseminaren Gegenstand der Diskussion zu sein.