Rainer Vollkommer

Das antike Griechenland

Theiss WissenKompakt
Stuttgart: Konrad Theiss Verlag
2007, 192 S., 110 SW-Abb. und Karten,
2-farbig, 19,90 Euro

Rezension von Helmut Schareika

 

Das neue Buch zum nie alternden Thema bietet eine Darstellung der griechischen Geschichte und Kultur, das sich als zeitlichen Schlusspunkt das traditionell definierte Ende des Hellenismus setzt, also das Ende der Ptolemäerzeit in Ägypten 30 v.Chr. Es weist zwei Teile auf – in der ersten Hälfte eine Darlegung der geschichtlichen Abläufe nach fünf großen Phasen, in der zweiten eine Beschreibung der Bereiche der griechischen Kultur von der Familie über das Alltagsleben, Religion, Sport, Mythen, Literatur, Philosophie usw. –, in die gestalterisch abgehobene Seiten zu ausgewählten thematischen Stichwörtern wie »Delphi« oder »Symposion und Komos« eingeflochten sind. Ein Glossar (als Teil eines Anhangs) hilft (jedoch nur mit Einschränkungen) bei der Lektüre.

Das Buch ist attraktiv, modern gestaltet, wenngleich die Gestaltung stellenweise dazu tendiert, die zahlreichen Bildmotive mehr in den Status einer Buchdekoration zu versetzen. Die Darstellung selbst überzeugt leider wenig: Der in der Regel gefällig und flüssig wirkende Stil übermalt bei genauerem Hinsehen immer wieder gedanklich unpassende (können Erdbeben »wüten«?), nicht selten ungrammatische Fügungen mit unpassenden oder gar rein unzutreffenden Aussagen (Sklaven seien »Verfügungsmasse« oder eine »Nichtigkeit«). Mit dem gehen Fehler zusammen wie die Schreibung von «Alphabeth« mit th (so auch griechisch nicht; dazu unzutreffende Erläuterung) oder sprachlich falsche Einbindung von Begriffen (etwa »der« Marmor Parium statt richtig »das«, Platons »Politeia« als Neutrum Plural [»in seinen Politeia«] statt Femininum Singular [«in seiner…«]; politeia ist »Verfassung«, »Staat«), die auf mangelnde begriffliche Bodenhaftung hinweisen könnten (so ist »Mythologie« auch nicht »Lehre der Erzählungen« sondern »Mythenerzählung«). Insbesondere aber ist problematisch, dass die Darlegungen der Geschichte, ob Ereignis- oder Kulturgeschichte, nach einer ganz unstrukturierten Einführung in die Frühzeit einfach mehr oder weniger nachvollziehbare Einzelheiten aneinanderreihen und auf jede historische Erklärung, Einordnung, Hintergrundserläuterung verzichten. So bleibt alles irgendwie beliebig und hätte so oder ähnlich auch anderswo geschehen können. Die Spezifik der griechischen Kultur (im Buch »die bunte Kultur«, oder »die Griechen waren … sehr farben- und lebensfroh«) und die Gründe für die Folgewirkung kommen so nicht zur Geltung, sondern bleiben im Verborgenen.

Trotz historischem Gegenstand ist das Buch so geprägt von der postmodernen Haltung einer geschichtslosen Sehweise.